04 Mar

Alkoholfrei

Alkoholfrei

warum ich keinen Alkohol mehr trinken möchte

Es ist immer wieder spannend, wenn es in neuen Begegnungen zur Sprache kommt oder sich ergibt, dass ich aufgrund des Gespräches oder der Situation erwähne, dass ich keinen Alkohol trinke. Noch interessanter ist allerdings die Reaktion darauf: Ein skeptisches Beäugen, abscannen und unsichere Scherze, um zu schauen, ob es an einem Alkoholproblem oder -sucht liegt, die der Grund dafür sein könnte. Ich kann mit Dankbarkeit sagen, dass ich davon nicht betroffen bin, sondern mein Wunsch keinen Alkohol mehr in meinen Körper lassen zu wollen, eine bewusste Entscheidung ist.

Bevor ich aber zu meinen Beweggründen komme, möchte ich kurz die Reaktionen nochmal ins Auge fassen. Du wirst als Mensch, der keinen Bock hat Alkohol zu trinken seltsam angeschaut. Und man vermutet oft ein Problem oder man sei zu spießig, verkrampft oder zu straight oder oder oder... Als erstes ist es schon bedeutsam zu sehen, dass uns sehr wohl bewusst ist, dass Alkohol ein leicht zu erhaltendes Suchtmittel ist. Daher auch das Beäugen, hat er/sie ein Problem oder nicht. Denn es ist auch offensichtlich, dass viele Menschen das Maß des Konsums überschreiten. Vom vermeintlichen Genussmittel zum Betäubungsmittel. Was will da denn betäubt werden?

Ich kenne es natürlich auch, dass ich nach einem harten Tag ein Glas Wein getrunken hatte oder nach einer extrem anstrengenden Woche mit Freunden feiern gegangen bin, natürlich hatte ich da auch ordentlich was getrunken. <Es gehörte ja auch dazu>. Trinkste nix, biste Spießer oder verklemmt. Dieses „Wie, du trinkst nix?“ mit provokantem Unterton lässt in mir mittlerweile die Frage aufkommen (die ich mir öfter denke als sie auszusprechen, man muss nicht alles mit jedem ausdiskutieren) „Wie, du trinkst noch?“. Denn statt wegzudrücken/betäuben, was dich im Inneren eigentlich beschäftigt, Situationen, die dich aus der Woche noch belasten und du keine Zeit durch Arbeit, Familie, Verpflichtungen etc. hattest oder dir der Mut fehlt, all das zu verarbeiten, wäre die andere Option sich diese Wochenpakete (oder noch ältere Geschichten) anzuschauen und innerlich zu bereinigen. Und klar sind manche Gefühle eklig und die willst du nicht erleben oder durchleben. Wir haben es ja auch nicht gelernt. Wir befinden uns noch in einer Leistungsgesellschaft, um zu funktionieren muss das Unangenehme weggeschoben werden. Dabei ist das „Unangenehme“ wichtig und kann zu einem inneren Befreiungsweg führen. Und das Resultat dessen?

Guck dich an und guck dich um, viele von uns sind emotional desorientiert, suchen und verlangen die Liebe und Anerkennung, die von Außen kommen muss, anstatt mit sich im Reinen zu sein, Liebe nicht als Tauschmittel zu sehen oder sich selber als wunderbaren Menschen anzuerkennen, der sich jeden Moment die größte Mühe gibt, die er in dem Augenblick geben kann. Wir müssen nicht mit jeder Situation ad hoc perfekt umgehen können, souverän und weise handeln. Wenn wir etwas erzwingen oder wegdrücken wollen, merkt es das Umfeld, du wirkst nicht authentisch, irgendwas stimmt dann nicht, die Ausstrahlung ist eher eine aufgesetzte Fassade oder die Unsicherheit (und dein unsicheres Verhalten) verwirren andere. Das ist das, was auch der Alkohol bewirkt. Du drückst deine Baustellen weg und schiebst den Vorhang davor unter dem Deckmantel, ich will doch nur Spaß, vergessen, entspannen, schlafen können, etc. wir kennen alle etliche Gründe. Vielleicht bist du aber auch stark genug, erwachsen genug, reif genug, um mit deinen Gefühlen bewusst umgehen zu können, und nicht feiern zu gehen, um übermäßig saufen zu müssen oder alleine mit Alkohol die Woche ausklingen lassen zu müssen? Vielleicht hast du den Mut dich auf deine Baustellen und Gefühle einzulassen und mit klarem Blick und offenem Herzen zu bereinigen? Ich bin sicher, dass du mutig, klug und stark genug bist!

Wir können es lernen, wie wir mit den unangenehmen Emotionen umgehen oder wie wir Situationen beim nächsten Mal besser lösen. Wir holen einfach diese Lektion nach. Und danach wird es auch nochmal angenehm spannend, denn kannst du Liebe annehmen, Glücksgefühle aufnehmen und genießen? Für viele nicht einfach, auch das lässt sich alles üben. Wenn du magst, begleite ich dich im Coaching, denn für mich ist es auch immer wieder erfüllend zu sehen, wie sich Menschen verändern (und ich darf auch jedes Mal dazulernen). Ich bin der Überzeugung, dass wir auch im Alter nicht damit fertig sein werden, dass wir dazulernen wollen. Dafür machen Veränderungen einfach auch zu viel Spaß, wenn man die Ergebnisse sieht und sein Selbst und das Leben immer mehr in vollen Zügen genießen kann.

Abschließend noch meine persönlichen (indiskutablen, weil meine individuellen) Gründe, die zu meiner Entscheidung geführt haben, dass ich keinen Alkohol mehr zu mir nehmen mag: ich liebe Klarheit, meine Wochenenden sind durch den nicht vorhandenen Kater länger, ich bin viel kreativer und produktiver, Emotionen sind gern gesehene Freunde und Richtungsweisende (die meine Aufmerksamkeit erhalten), Magen-Darm-Trakt ist dieser Belastung nicht mehr ausgesetzt (da ich eh einige Unverträglichkeiten habe, ist dieser Aspekt bei mir wichtig), ich möchte keine Migräne riskieren (wer damit zu tun hat, der weiß, wovon ich spreche), und es ist einfach ein völlig anderes Gefühl, wenn du total nüchtern den Abend mit Freunden oder einem Konzert genießen kannst, du weißt danach noch alles ;) oh, und wenn ich an ganz früher denke... au weia... wer hat noch ganz dumme Nachrichten im alkoholisierten Zustand verschickt? Solch und andere Peinlichkeiten bleiben aus :) Ich mag es einfach das Jetzt wahrzunehmen und die Lieben, die gerade um mich sind, meine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Und wenn es unangenehme Gefühle oder Situationen gibt, kann ich schneller und klarer damit umgehen. Es sind etliche Zugewinne, von daher verzichte ich auf nichts oder gebe auch nichts auf.

Vielleicht hast du Lust und fühlst dich inspiriert es mal über einen längeren Zeitraum auch auszuprobieren. Bei Fragen und Unklarheiten helfe ich dir gerne. Schön wäre es auch, wenn du uns deine Erfahrungen teilst.

Viele Grüße Katrin Szymoniak

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